Im Seniorenzentrum
Stiftung Altersheim Wolfhagen snoezelt es
Seit September 2009 fahren Betreuungskräfte mit einem grossen, auffälligen Wagen (Snoezelwagen) die Gänge im Seniorenzentrum entlang, der die Blicke von Bewohnern und Besuchern auf sich zieht.
Immer wieder ertönt die Frage: „Was ist das denn ? Wofür braucht man denn so etwas?
Gerne wird die Einsatzmöglichkeit des Snoezelwagens mit seinen mannigfaltigen Materialien erklärt. Dem Erstaunen folgt Bewunderung und Achtung für das neue Betreuungskonzept des Seniorenzentrums in der Karlstr.18.
Das Wort Snoezelen hat holländischen Ursprung, es setzt sich aus den Wörtern snuffelen (schnuppern, schnüffeln) und doezelen (dösen, schlummern) zusammen.
In den 70iger Jahren wurde diese Therapie von den Niederländern Jan Hulsegge und Ad Verheul entwickelt.
Ein Angebot von gezielt ausgesuchten Reizen, dargeboten in einer behaglichen, entspannenden Atmosphäre, die wohlige Gefühle bei geistig Behinderten schaffen sollte. Sinn dieser Methode ist es eine Kommunikation auf non-verbaler Ebene zu ermöglichen und Menschen über ihre Gefühle zu erreichen.
In der Altenpflege und Betreuung bietet Snoezelen eine besonders anregende aber auch eine beruhigende Wirkung auf gerontopsychiatrische Bewohner und auf Bewohnern die überwiegend im Bett liegen.
Mit Hilfe des mobilen Snoezelwagens ist es nun möglich immobile Bewohner in ihren Zimmern zu betreuen und ihnen ein therapeutisches Angebot zu ermöglichen, welches sich auf ihr Wohlbefinden positiv auswirkt.
Die Mitarbeiter der Sozialen Betreuung wählen gemeinsam mit dem Bewohner die geeigneten Medien aus. Wenn dies nicht mehr möglich ist, sind Informationen aus der Lebensbiographie wegweisend. Beim Snoezelen werden die Sinne einzeln angesprochen, damit eine Reizüberflutung vermieden wird.
In seiner gewohnten Umgebung erfährt der bettlägerige Bewohner mit Hilfe des Snoezelenwagens stimulierende Farb- und Lichteffekte. Der Einsatz von beruhigender Musik z.B. Vogelzwitschern oder Meeresrauschen lässt Erinnerungen aufkommen die verschüttet waren und nun in das Gedächtnis zurück schwappen und ein wohliges Gefühl hinterlassen. Anregung der Sinne durch Düfte können individuelle Ereignisse lebendig werden lassen.
Massagen mit wohlriechenden Duftölen aktivieren das Körpergefühl. Bei langer Bettlägerigkeit nimmt sich der Betroffenen oft nur noch unter Schmerzen wahr. Streichelnde Berührungen tun gut.
Hautkontakt fördert die Produktion des Hormons Oxytocin, welches für die Empfindungen wie Geborgenheit und Vertrauen verantwortlich ist und Angstreaktionen reduzieren kann; aktivierende Reize die ein Glücksgefühl erzeugen.
Bei der Nutzung des Snoezelwagens muss ein besonderes Augenmerk auf die Wahrnehmung der Gefühle des zu Betreuenden gelegt werden. Angenehme oder unangenehme Reaktionen auf die angewandte Stimulation müssen erkannt und gezielt vermindert oder verstärkt werden.
Bei dementiell Erkrankten kann beim Erst-Kontakt mit dem neuen Medium eine Theraphiepuppe, welche zu den Materialien eines Snoezelwagens gehört, sehr hilfreich sein.
Der Betreuer steckt die recht Hand in den Arm der Puppe, die linke Hand benutzt er um den Mund der Puppe zu bewegen. Spielerisch nähert sich die Puppe dem Bewohner, begrüßt ihn mit Handschlag. Beobachtungen zeigen, dass die Puppe von dem Betrachter als eigenständige Person wahrgenommen wird. Der Betreuer tritt als Person in den Hintergrund. Das fortlaufende Gespräch findet nur zwischen Bewohner und Handpuppe statt. Die Puppe wird als nicht bedrohlich eingestuft. Grosse Kulleraugen, eine weiche knubbelige Nase, zottelige Haare, eine niedliche Erscheinung, die bei dementiell Erkrankten ihr Verstummtsein brechen und Kommunikation wieder ermöglicht.
Ziel des Snoezelns ist die Schaffung neuer Lebensqualität. Der zielgerichtete und individuelle Einsatz des Snozelwagens verbessert das Wohlbefinden des bettlägerigen oder gerontopsychiatrisch veränderten Bewohners und schafft Geborgenheit, Sicherheit und Zuwendung.
Snoezelen - Eine Entdeckungsreise für die Sinne, ein Wohlgefühl für
den Bewohner.
Diplom Sozialpädagogin
Stefanie Braun
Quelle:
R11/09:16-18
